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Vom harten Leben in der weiten Steppe
Aus dem Land des weiten Horizonts und der unendlichen Steppe erzählt dieser eindrucksvolle Kinderroman. Fünf lange Monate soll die zwölfjährige Galshan bei ihrem Großvater Baytar in der mongolischen Einöde verbringen. Ihre schwangere Mutter muss bis zur Niederkunft ruhen, der Vater ist als Lastwagenfahrer oft Wochen fern von zu Hause. So sehen die Eltern es als einzige Lösung an, das Mädchen vorübergehend in die Obhut des alten Schäfers zu geben.
Erstaunlich rasch findet sich das Stadtkind in dem harten Nomadenleben an der Seite seines knurrigen Opas zurecht. Bald reitet Galshan so flink und geschickt wie er, lernt, einen Adler zu zähmen sowie alles Notwendige, was man zum Überleben in dieser kargen Gegend braucht. Auch wenn der Autor, Xavier-Laurent Petit, eine allwissende Erzählperspektive einnimmt, bleibt er meist ganz nah bei seiner kleinen Heldin. Doch vermag er in ganz knappen Andeutungen den Zusammenprall von Tradition und Moderne in der Mongolei zu skizzieren. Da gibt es etwa die Sichtweise des Schulinspektors, der vergeblich den sturen Baytar zu zwingen versucht, seine Enkelin in die 25 Kilometer entfernte Schule zu schicken. Oder die schwierige Beziehung zwischen dem Alten und seinem Sohn, Galshans Vater, von dem er sich im Stich gelassen fühlt.
Das alles schimmert nebenbei auf, ohne den kleinen Leser zu überfordern. Der kann sich ganz den aufregenden Erlebnissen widmen, die Galshan in der rauen Natur erfährt. Vor allem, nachdem ein fürchterlicher Schneesturm die beiden samt ihren Tieren von der Außenwelt abschneidet, Brennholz und Nahrungsmittel zur Neige gehen, Wölfe sich gefährlich nähern und Baytar von einem Ausritt nicht mehr zurückkehrt. Doch macht es das Kunstvolle dieses Buchs aus, wie es spannend und sehr realistisch vom entsagungsreichen Leben in der mongolischen Steppe berichtet und dabei die Welt darum herum geschickt mit einbezieht. Der heute fünfzigjährige französische Schriftsteller, Xavier-Laurent Petit, arbeitete als Lehrer, bevor er sich ganz aufs Schreiben verlegte. Hier zu Lande erfuhr 2001 sein Buch "Kriegskind" Anerkennung. Darin zeigt er einen an Leib und Seele verwundeten Jungen, der in die Mühlen eines namenlosen Krieges geraten ist.
"Steppenwind und Adlerauge" wurde mit dem Prix Saint-Exupéry ausgezeichnet. Das leuchtet ein, entführt einen diese faszinierende Geschichte doch in eine ferne Kultur und bezaubert durch die behutsame Annäherung zweier Dickköpfe, die viel mehr verbindet als trennt.
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